Geomorphologische Informationen über den Jasmunder Bodden
Der Große und der Kleine Jasmunder Bodden mit 20 km gemeinsamer Längserstreckung und durchschnittlich 5 km Breitenausdehnung sind als Binnenbodden Nordrügens, zugehörig zur Nordrügener Boddenkette, neben der Darß-Zingster Boddenkette, der Westrügener Boddenkette, dem Greifswalder Bodden, der Westusedomer Boddenkette und dem Kleinen Haff wesentliche und typische Küstengewässer der südbaltischen Boddenausgleichsküste.
Durch die Nehrungen der Schaabe und Schmalen Heide von den Ostseebuchten der Tromper und der Prorer Wiek von der Ostsee abgetrennt, besitzen sie mit dieser nur auf dem langen Umweg über Lubbiner, Breeger und Breetzer Bodden, Rassower Strom und Vitter Bodden eine Wasserverbindung, die auch als Schifffahrtsroute von Lietzow zur Insel Hiddensee genutzt wird. Großer und besonders Kleiner Jasmunder Bodden sind stark ausgesüßte und eutrophe Brackgewässer. Sie wurden erst durch die Schüttung des Dammes vor Lietzow 1869 für Straße und Bahn - abgesehen von einem mit Schleuse versehenen Kanal - voneinander getrennt.
Die Küste der Jasmunder Bodden ist gegenwärtig eine fast ringsum ausgebildete Verlandungsküste aus Schilfröhrichten mit je nach Standort unterschiedlicher Breite und Wuchsform. Durch Strandaufspülungen, z. ü. bei Lietzow, Zeltplätze usw. wird sie zunehmend für das Erholungswesen erschlossen. Die alten Litorinakliffe sind zumeist inaktiv geworden. Räume stärkerer rezenter Dynamik sind die nach Nordwesten exponierten Steilküstenstrecken mit Abbrucherscheinungen und aktiven Kliffpartien beiderseits von Lietzow und Ralswiek um Großen Jasmunder Bodden. Die vermoorten Boddenniederungen ehemaliger Buchten des Litorina-Meeres wurden zum großen Teil durch Meliorationen der Grünlandbewirtschaftung zugeführt.
Von den ufernahen- sandigen Flachwasserbereichen z. B. des Großen Jasmunder Boddens mit einem Salzgehalt von 6-7' erfolgt ein ziemlich markanter Abfall zum 7-8 m tiefen, schlickbedeckten Zentralbecken. Eine Wasserbohrung von Wastnund (1939) ergab für dessen Mitte unter einer 7,3 m mächtigen Wassersäule 3,1 m rezenten bis subrezenten Schlick, darunter 4,4 m Mudde des Litorina-Meeres und eines ancyluszeitlichen isolierten Süßwassersees.
Die Nordrügener Bodden liegen morphogenetisch vollständig im Bereich der Nordrügener Vorstoßstaffel mit ihren damaligen Gletscherloben (Tromper und Prorer Lobus) und deren die Einzelbecken aus, schürfenden Gletscherzungen. Somit werden sie auch an ihren Süd. West- oder Innenseiten von höheren Endmoränenzügen im Wechsel mit kleinen Zungenbecken umrandet. Zwischen Ralswiek und Liefzow - im Gebiet der Dammschüttung - nähern sich die beiderseitigen halbinselförmigen Endmoränenhöhen auf weniger als 1 km Abstand. Es ist der Bereich der dort von Jasmund südwestwärts verlaufenden Gletscherstromscheide (Eisscheide) zwischen Beltsee- und Odergletscherstrom.
Zu den wichtigsten hohen Aussichtstürmen und Blickpunkten ringsum auf die Bodden und ihre Umrandung gehören der Rugard (mit Turm 118 m ü.NN) bei Bergen, der Jagdschloßturm (145 m) der Grn¬nitz bei Binz und der Tempelherg (50 m) bei Bobbin, aber auch solche Höhen wie der Hoch Hilgor (43 m) bei Neuenkirchen, die Banzeluitzer Berge (45 m) bei Rappin und der Mühlenberg (25 m) zwischen Buschvitz und Stedar sowie die flache künstliche Landbrücke am Parkplatz und Kanal bei Lietzow.
Über die holozän-warmzeitliche Genese der Bodden und ihrer Umrandung geben besonders die Ostseeablagerungen in den kleinen und relativ flachen Beckenkammern der Rappiner, Lüßmitzer, Ralswieker und Augustenhofer Niederung an der Südwestseite des Großen Jasmunder Boddens weiterführende Auskünfte. Sie gestatteten neben den gekümmerten Becken an Außenküsten auch die Ausgliederung und Aufstellung eines weiteren Typs von Küstenbecken mit Restseen und mit Bächen als Entwässerungsbahnen in die Bodden. Dieses Modell gilt auch für die landseitigen Niederungen des durch weit vorspringende Halbinseln im Bereich des aktiveren Odergletscherstromes noch stärker gegliederten Kleinen Jasmunder Boddens mit seinen Bachzuflüssen wie z. B. dem Karower Mühlbach.
Relief und Sedimente der Becken sagen aus, daß in den hier in der Regel weniger als 10 m mächtigen Sedimenten der Ancylus-Großsee nicht mehr direkt repräsentiert sein kann, da sein Höchststand 8 bis 10 m u. NN nicht überstieg. Dagegen hatte das Litorina Meer von Norden bzw. Osten her bis vor mindestens 4000 Jahren freien Zutritt bis hinter die Binnenseiten der Jasmunder Bodden. Es lagerte in den kleinen, geschützten Ostseebuchten von Rappin bis Augustenhof eine feinkörnige, an organischen Resten reiche Litorina Mudde bzw. Feinsande ab. Die Nehrungen der Schaabe und Schmalen Heide bestanden damals noch nicht. Die hohen Endmoränenkomplexe der Umgebung bildeten umbrandete Steilküsten, wovon noch heute zahlreiche fossile Kliffstrecken um die Bodden zeugen.
Auch der Spitze Ort, ein vornehmlich von Lietzow nach Süden in den Kleinen Jasmunder Bodden gewachsener kleiner höftlandähnlicher Haken, stammt aus jener litorinen Phase, als die Schaabe und die Schmale Heide als Ausgleichsformen noch nicht oder erst in Ansätzen existierten. Wahrscheinlich über einer alten Schmelzwasserrinne gelegen, besitzt er abweichend von den übrigen Bohrprofilen an Boddenrückseiten über 15 m mächtige sand- und schluffreiche Holozänsedimente.
Den Abschluß der litorinen Ausgleichsprozesse vor den Niederungen an den Westseilen der Jasmunder Bodden und ihren damaligen Strandseen, die inzwischen nahezu verlandet sind, bilden die den dortigen kleinen Meeressandebenen aufgesetzten, oft modellartig geformten Litorina-Strandwälle mit zahlreichen Schalenresten der namengebenden Schnecke Littorina littorea. Ein oder zwei etwas jüngere Strandwälle legten sich bei späteren Hochwasserphasen fächerartig, bis zum heutigen Boddenwall reichend, davor. Jene kleinen, mit Strandwällen besetzten Meeressandebenen befinden sich z. B. an den Boddenküsten der ansonsten tief vermoorten Rappiner, Lüßmitzer, Ralswieker und Augustenhofer Niederung. Ihre derzeitige Nutzung erfolgt unterschiedlich, teils durch Häuserzeilen wie in Ralswiek oder Wege wie bei Rappin, die auf den Strandwällen angelegt sind, teils als Weideland. Der Augustenhofer Strandwallfächer ist bewaldet.
Auf dem altersmäßig entsprechenden binnenwärtigsten Litorina Strandwall der Ralswieker Niederung war vom 8. bis ins 11./12.Jahrhundert die slawische Bevölkerung angesiedelt und hat durch Kulturabfälle mehrerer Siedlungsschichten diesen noch um einige De¬zimeter erhöht. Aus den seit 1972 durchgeführten Grabungen des Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie der AdW der DDR geht hervor, daß der frühgeschichtliche Siedlungsplatz Ralswiek Seehandel mit Ost- und Nordeuropa betrieb (HERRMANN 1982). Davon zeugen freigelegte Werkstätten, Geräte, Schmuckgegenstände und ein Fund von über 2000 arabischen Münzen, aber auch durch Grabungen nachgewiesene Schiffseinfahrten und Molen am Waldrand der Siedlung zu einem damals in der Niederung hinter dem Strandwall noch existierenden Binnensee, dem .,Ralswieker See". Weitere Anlegestellen bestanden am damaligen Boddenseerand. Die Ausfahrten erfolgten wahrscheinlich über den Großen Jasmunder Bodden (HERRMIANN 1982) und anschließend evtl. durch die Restöffnung der Schaabe bei Glowe. Am Ralswicker Boddenufer begannen die Ausgrabungen der slawischen Schiffswracks durch P. Herfort vom Kulturhistorischen Museum Stralsund im Jahre 1966.
Zwischen dem bedeutenden frühgeschichtlichen Handelsplatz Ralswiek auf dem Strandwallsystem der Niederung und einem slawischen Burgwall am Hochufer 2,5 km weiter nordöstlich wurde ein auf den Endmoränenhöhen angelegtes ausgedehntes Hügelgräberfeld von ca. 400 Hügeln und mit Belegungen aus dem 9. bis 12. Jahrhundert untersucht (WARNKE 1976). Darüber hinaus ist Ralswiek in den letzten Jahren auch durch die Sörtebeker Rügen-Festspiele mit der Aufführung der Störtebekerballade als Freiluftinszenierung vor dem Panorama und auf dem Wasser des Großen Jasmunder Boddens bekannt geworden.
(Quelle: „Die Ostseeküste zwischen Boltenhagen und Aalbeck“ R.-O. Niedermeyer/ H. Kliewe/ W. Janke / Verlag: VEB Hermann Haak 1987)
Insel Rügen erleben
Die Insel Rügen
Das ideale Urlaubsziel ist Rügen für Wassersportliebhaber.
Sie finden auf der gesamten Insel viele kleine und große Häfen,
an denen Sie rasten können und die abwechslungsreiche Küste lockt
zu einem Ausflug. Rügen hat eine fast 580 km lange Küstenlinie.
Sie finden hier sowohl feinen Sandstrand, wie auch die Steilküsten mit
Kreidefelsen. Die Strände und ruhigen Buchten laden ein zum Spazierengehen,
Angeln, Surfen oder Schwimmen, aber auch zum Tauchen, Sandburgen bauen, Steine
sammeln und Faulenzen. Das Sonnenbaden können Sie auf Rügen ganz
besonders genießen, denn die Sonne schein hier überdurchschnittlich
lange am Tag im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands. Im April schon
klettert die Sonnenskala auf viele Stunden Sonnenschein hinauf und steigt
bis Juni auf ihren Höchstwert von durchschnittlich 271 Stunden.
